untitled 2

von blutundkaffee

der alte, besoffene grindpenner, der mich gestern an der bar in den linken nippel gezwickt hat, hat wahrscheinlich auch meine tasche gestohlen. jetzt ist er im besitz meiner gesamten ausweise, meiner lippenstifte, meiner schönen silbernen füllfeder und – das finde ich eigentlich am schlimmsten – meines notizbuches. meine notizbücher sind wie zuchtkulturen meines gehirns in einer papierenen petrischale. mit muschisaftflecken drauf, zwecks optimierung des wachstumsmilieus.
jetzt komm ich leider nicht umhin, mir vorzustellen, wie der kerl meine aufzeichnungen durchliest. die schnittmuster für meine jacken studiert, die stoffmuster mit seinen faltigen grapschfingern abtastet und schließlich zu meinen intimen aufzeichnungen und traumerinnerungen wichst. sein sperma tropft auf die dünnen, säurefrei gebleichten moleskine-seiten und saugt sich in die fasern hinein. dann klatscht er das buch zu und die seiten verkleben, dazwischen verbindet sich die dunkelblauschwarze tinte mit seinem mannsaft und zeugt einen ekelhaften homunculus, der wie ein furunkel ist, ein eingewachsenes, schwarzes haar mit einem puls.

und mit meinem schönen rosa plastiklöffel mit langem stiel wird er sich spielen. es kleben noch winzige spuren des letzten joghurts drauf, das ich letzten mittwoch im büro gegessen habe, danach in eile gut abgeschleckt und eingesteckt. die joghurtspuren unterscheiden sich kaum von muschisaftspuren, hätte ich mir den löffel aus spaß reingeschoben, im büroklo. hab ich nicht gemacht. aber hätte ja sein können.