untitled 4

von blutundkaffee

ich habe letzte samstagnacht ein schönes kompliment von einem kollegen bekommen.
wir standen an der bar einer legendären, versifften kellerspelunke  und bestellten billige getränke. er drehte sich zu mir und fragte mich, ob ich es sei, die so angenehm nach einem guten parfum duftete. ich war erstaunt und meinte, es sei doch recht unwahrscheinlich, dass er wirklich mein parfum roch. ich trage es immer möglichst dezent und es war bisher kaum jemandem aufgefallen, es hatte mich jedenfalls noch nie jemand direkt darauf angesprochen. ‚wenn du wirklich mich riechst, dann ist es chanel nr.19‘, sagte ich darauf. nicht ohne stolz, denn es ist ein toller duft. er riecht mehr nach einem cologne als nach einem parfum, ist herb, aber nicht schwer, nicht überwürzt, wie frisch gewaschene wäsche, aber nicht ganz so luftleicht. der kollege war sich nun sicher, er hätte das chanel nr.19 erschnuppert, ‚es ist zart wie eine frische brise‘, sagte er. er ist schwul. so ein lieber junge, ein echter verlust.

ich habe mich wirklich sehr über das kompliment gefreut. zum einen, weil ich wirklich immer ganz tolles parfum trage und es endlich mal jemandem aufgefallen ist. zum anderen, weil ich kurz vor dem gang zur bar auf der toilette war und nach dem pinkeln einen finger in meine muschi geschoben hatte und den frischen muschisaft auf meine schläfen, auf den hals und in meine haare getupft. hab ich aus dem buch ‚feuchtgebiete‘ von charlotte roche, die einzige wirklich brauchbare weisheit aus dem unnötigen schinken. so ging ich also voll aufgedonnert mit weiblichen lockstoffen an die bar. meine ganze erscheinung brüllte jedem schwanz im raum subtil zu: ‚riechst du mich? ich bin ein paarungsbereites weibchen!‘ und so stockschwul kann ein paarungswilliger schwanz dann wohl doch nicht sein, um da nicht gleich zu reagieren. von wegen chanel nr.19.

und ich wünschte, es würde einmal ein schöner, starker mann mit einer tiefen, ruhigen stimme zu mir sagen: ‚bist das du, die hier so angenehm nach muschi duftet? es riecht so wunderbar nach muschi, bist du das?‘ und das würde er nicht im bett sagen, wo es doch offensichtlich ist, sondern in einer verrauchten cocktailbar, oder in einem zugabteil oder im kino.
wäre das nicht irgendwie romantisch?