untitled 20

von blutundkaffee

may.

und auf ein mal stehe ich vor ihm und strecke ihm meine hand entgegen. ‚hey‘, sagt er, so wie er es immer sagt, nimmt mir die karte aus der hand, reißt routiniert den konstrollstreifen ab, gibt sie mir wieder. ‚viel spaß.‘

‚danke.‘ ich betrete den saal, setze mich, das stück beginnt. licht, dunkelheit, licht, worte. der hauptdarsteller gefällt mir. ein raues, kantiges gesicht, ein großer, schlanker körper, drahtige füße. ein mann, der souverän auf einer bühne agiert, spricht, für solche habe ich immer schon eine schwäche gehabt. vielleicht ist das auch der grund, warum ich im theater jedes mal furchtbar geil werde.

und dann noch diese unvorhergesehene begegnung mit may. der handlung zu flgen fällt schwer, immer wieder blitzt sein gesicht vor meinem inneren auge auf. er ist unheimlich schön. es ist eine subtile härte in seinen zügen, hohe wangenknochen, tiefe, stechende augen von wechselnder farbe, dunkel aschgrau bei nacht, helles stahlblau am lichten tag. seine lippen sind großzügig, dennoch niemals vulgär, nicht feucht, nicht glänzend, immer männlich matt, trocken. ich erinnere mich an die küsse dieser lippen. auf meinem hals, auf meiner brust, auf meinem geschlecht. leicht, fest, ziehend, fordernd. ich erinnere mich an seinen wundervollen schwanz, der groß und hart ist und so gut schmeckt, dass ich ihn stundenlang lutschen könnte. sein schwanz ist wie sein gesicht. er hat etwas edles an sich, etwas aristokratisches, eine aura, eine schwanzaura von hochmut und besitz und laissez-faire.

das stück schließt mit einem immer schneller, immer lauter und kraftvoller werdenden monolog des hauptdarstellers. er stemmt sich gegen das scheinwerferlicht, schreit aus voller kehle, es ist ein duell zwischen wort und ton, immer schriller und beißender wird es, in mir quellt das gefühl hervor, heftig penetriert zu werden, mein blick verschwimmt sich in einen milchigen schleier, erinnerungen an die letzten spätnächtlichen begegnungen mit may flackern auf, hitze steigt mir in den kopf, ein beben, kochendes blut, das herz rast. dann plötzlich: bruch, dunkelheit, stille. es vergehen fünf sekunden. licht. applaus.

ich gehe hinaus, lasse mir von der nacht die schläfen kühlen, den schoß. takte das herz herab, auf das nötige mindestmaß.