untitled 48

von blutundkaffee

fliegen, flog, verflogen.

er ist blass geworden. sein Gesicht ist blass geworden, vom Winter. allein seine Lippen sind rot, knallrot, erdbeerrot, blutrot. er kommt aus der Kälte herein. sein Blut, die Wärme (meine Wärme) witternd, schießt in die Lippen und macht sie rot und glühend. ich wünschte, sein Blut würde sich aus ihm befreien und sich warm, in pulsierenden Stößen, auf mich ergießen, Rinnsale auf meinem Hals bilden, sich ohne Gegenwehr in fassende Kanäle legen, die in den Zwischenräumen meiner Rippen verlaufen, in Richtung des hinteren Scheitelpunktes meiner Tailie fließen, sich zwischen meinen Gesäßhälften zu einem breiten Strom vereinen, um schließlich an den Innenseiten meiner Beine spielerisch richtung Süden hinab zu mäandern.

die Kälte des Winters hat sich, unbemerkt, in seinen Haaren versteckt, in das Haus geschlichen. still verharrt, wurzelt sie Schutz suchend in seinen kühlen Kopf, vorbei an der Aurora ferner Jugendträumereien, zwischen die zu Fugen verflochtenen Gedanken, hinein in das metallen glänzende Innere der Schaltzentrale, bis ins Mark, in die inneren Bahnen, in die blitzenden Ströme der Nervenfasern.

währenddessen ist sein heißes Blut an seine äußersten Grenzen gerückt, pocht an die Innenwände seiner Haut, meinen Berührungen entgegen, reagiert auf jede Regung, wallt beinahe schäumend in den zarten Beugen, an Augenlidern, in der kleinen Mulde zwischen Schlüsselbein und Schlüsselbein. wo meine Küsse niedergehen, fängt die weiße Ebene Feuer, wo mein Haar ihn streift, erblühen rosig Rosen. er dampft mir förmlich entgegen, von fest zu flüssig zu gasförmig überschlägt sich sein Agregatszustand, gierig atme ich sein reges Wesen ein, fülle meine Lunge mit seines Dunstes Rausch, bis er mir in mein eigenes Herzblut übergeht.

die Kälte des Winters hat sich unterdessen heimlich in sein Innerstes geschlichen. das unbewachte Herz nimmt sie nun ein, mit einem Stich, mit einem Stoß, mit einem Schwung ein eisiges Netz gespannt, erobert. das Herz, es pocht vor Angst, schlägt wie verrückt um sich, aber sein Kampf wird missgedeutet als Erregung, Wehren vergebens, zusehens verstummt es, eingeschläfert von der Kälte eines ungewöhnlich kalten Januars.

und langsam kühlt sein Blut, das durch des Herzes Tore fließt, und leiser wird sein wilder Drang und es verfliegt des Dampfes süßer Duft, die Härte des Geschlechts, vergeht, verstummt, und so am Ende: er, ganz, Eis und Atem, Still und Starre, Hall und Halle.

ein letztes Echo über einem Gletscher, ein windgepeitschter Vogel über seinen blassen Winterfurchen, ich.