untitled 57

von blutundkaffee

Allein sein.
(Ein Versuch zur Aussöhnung.)

Ich wünschte, ich könnte mich klonen.

Mein Klon würde in der Nacht im selben Zimmer sein, würde in meinem Bett liegen, wie ein Platzhalterkörper. Ein Platzhalter für ein Subjekt meiner Sehnsucht. Eine unfremde, vertraute Version eines erwünschten Fremden, mit einer Restbefremdlichkeit, die ganz natürlich aufkommt, denn es läge schließlich ein Klonkörper meiner Selbst in meinem Bett.

Ich wüsste, sobald ich aufhören würde, an meinem Tisch zu sitzen und zu denken und zu schreiben, könnte ich zum Bett gehen und mich zu meinem schlafenden Klon dazulegen. ich würde sofort seinen Körper spüren, der sich situationsbedingt befremdlich anfühlt, aber gleichzeitig doch irgendwie ganz merkwürdig vertraut. Eine phasenverschobene, dreidimensionale Spiegelung. Ich würde meinen Rücken an den Rücken des Klonkörpers schmiegen, ein sachter Druck genügt mir. Eine Ahnung einer Echobewegung, ein zweites Atmen in den gewärmten Laken.

Die Wärme. Die Wärme eines zweiten Körpers, die kann weder ein Gedanke, noch eine Illusion, ja nicht einmal ein Traum befriedigend nachbilden.

Die Wahrnehmung von jemandem, der nicht man selbst ist, selbst wenn es eine Kopie eines Selbst ist. Der Einsamkeit ein Stück Territorium abgerungen, ein Stück des kalten Unbekannten in einen Teil Vertrautheit verwandelt.

 

( Aus ‚183 Tage‘ )