untitled 62

von blutundkaffee

Das ist der Wind. Er kommt, um zu fordern.

Ich habe dir Licht gegeben, als du mich nach Schatten gefragt hast. Ich habe es nicht richtig und nicht falsch gemacht, ich habe einfach nicht nachgedacht und jetzt sieht dich an, so wie alle dich ansehen, denn der Spot zeigt auf dich. Du musst nicht heizen, das gleißende Licht wärmt dich, so wie es dich lähmt, still und starr ruhst du an dir, hälst dich an dir selbst ganz fest, hast Angst, ein und in dir gefangen zu sein, an und in dir zu verenden.

Ich gehe hinaus und nehme den Topf mit den Tomaten vom Haken, stelle ihn ins Gras. Mit dem Erdbeertopf mache ich das gleiche. Sie sollen sich nicht in der Gefahr befinden, zu fallen.

Gigantische Hände über den Wolken, drücken sie, wie einen Schwamm. Es regnet.
Ich habe immer viel gewollt und ich will immer mehr und mehr.
Man muss das Tor weit öffnen, damit der große Wagen hindurch passt.
Man muss den Brustkorb weit aufspreizen, damit die Lunge Platz hat, für tiefe Atemzüge.
Große Augen, damit große Worte gelesen werden können.
Große Gesichter gesehen.

Eines Tages öffne ich mich so weit, dass gigantische Hände in mich hineinfassen können und mein Inneres drücken, und dann regnet es und wird zu einem Fluss, der ins Meer mündet. Mein Mund, weit geöffnet, verleibt sich unterdessen eine ganze Stadt ein. Alles schimmert rötlich. Das Blut im linken Mundwinkel ist das der Anderen, im rechten Mundwinkel ist es mein Eigenes, aber der Geschmack lässt sich nicht eindeutig unterscheiden.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß, was ich noch nicht sagen kann. Aber auch das werde ich abbauen, wie Marmor. Sprengen und in Scheiben schneiden. Eines Tages kann ich alles hinaus- und hineinlassen. Große Wagen werden fahren. Ich werde das Tor sein. Die Angst vor dem Wind habe ich bereits abgelegt. Ein Glück. Denn Tore ohne Wind, die gibt es nicht.