untitled 63

von blutundkaffee

Das Verlangen der Sterbenden.

Ich kann nicht sagen: Bitte, halt mich. Ich flöße dir unter den Armen davon, wie eine Milchwolke. Ich löse mich auf und löse mich ab, mähe ringsrum das Gras, mit schwindender Kraft, das Gras kriecht näher, es will auf mir wachsen, mich zu Erde machen.
Halt mich fest und in dieser Welt, möchte ich sagen, ich tue es nicht. Ich habe Angst vor deinem Wollen. Ich bin so lose. Du könntest dich leicht in mir einnisten, ich gäbe doch keinen Widerstand. Wohl würdest du dich fühlen und mich stärken, und ohne dich im letzten Augenblick wegstoßen zu können, würde ich über die Schwelle stürzen und dich mitreißen, ich weiß nicht, wie tief.

Das Verlangen pocht. Es will nicht verstummen. Ich bin jung und voller rasender Gedanken. Das Blut morst ‚Stolz‘ an die Schläfen.
Halt mich wie einen Vogel mit frisch gestutzten Flügeln. Ich schlage um mich, als wollte ich fliehen. Der Horizont bäumt sich auf, rückt bedrohlich näher. Erst in seinem Angesicht werde ich verstummen. Noch ist Zeit, einmal noch lass deine Klinge auf die Natur hernieder fahren, lichte die Reihen derer, die nach mir greifen.

Dir vertraue ich.
Dich verwarne ich.
Halt micht, doch halt mich nicht, wenn ich falle.