untitled 74

von blutundkaffee

alles dreht sich. der Verstand hat sich in einen schönen Drive gespinnt, gesponnen, aufhalten kannst du nichts mehr, nur versuchen, mit der Hand hineingreifen um in Folge am blutigen Stumpf zu lutschen. auch eine sensuelle Erfahrung.

weißt du, vieles passiert in meinem Kopf. da ist eine Welt, unendlich weit, unendlich tief. der Körper – der Körper ist nur eine Pforte, eine Tür, zwischen dem Universum außen und dem, das innen ist. du kannst doch alles sehen, alles erkennen, fühlst die Beschaffenheit der Dinge, fühlst Haut, fühlst Holz, mit deinen Gedanken, Anemonenarme sind sie, gemacht aus – ja, woraus, wir haben keine Worte dafür.  etwas abtasten können, sehen können, hören, reicht das nicht?
Vorstellungskraft ist eine Kraft, ist Energie, ist Forderung.
‚Wahrnehmung‘ befiehlt, etwas als wahr anzunehmen.
wieviele Sinne besitzen wir tatsächlich?

du lebst in mir, in allen meinen Dimensionen, denn ich habe einen  Narren an dir gefressen, Schönheit. ich weiß, wo du  gerade, in diesem Moment, bist, ich bin nicht nah, nicht stofflich, körperlich, kann dich nicht fassen, aber da bist du doch, ich sehe dich, und da bin ich, nur eine Armlänge weit entfernt von dir, und kaum noch einen Atemzug. ich sehe dich in diesem Ram sitzen, das Licht ist hart, du bist weich, dein Körper ist weich, unter meiner Anemonenhand fühle ich die Beschaffenheit deiner Oberfläche, Haar, Haut, die Form einer Ohrmuschel. ich fasse dir in den Augenwinkel und denke: Feuchtigkeit und blau daneben. ich möchte nicht mehr in Metapherngebilden leben. du Narr der ersten Stunde in meiner Realität. Realität, Egalität, Zaudern. um mich herum ist Dunkelheit und wenn du aus dem Fenster siehst, kriecht sie schon ganz nah an dich heran, fühlst du meine Fragmente? nein, denn in deinen Welten bin ich vage.

this is a story of a girl.
es fällt mir schwer, nach außen hin offen zu sein, ich habe mich schon sehr weit ins Innere begeben. ich wohne irgendwo zwischen dem dritten Doppelsternsystem des Arhythräus und der sterbenden Silberfischmilchschaumgalaxie, die ich von meiner Großmutter geerbt habe. ich würde gern sagen: sieh mich an, siehst du mein zerschundenes Fleisch, meine so offensichtliche Schwäche und Unzulänglichkeit, und fühlst du nicht, wie das Verlangen nach Berührung daraus dampft, aus jeder Pore, aus jedem Spalt, sagt: bitte, ich kann das nicht allein, ich kann dieses Leben nicht, ich bin schon so weit gelaufen, lass mich ankommen, lass mich landen, lass mich nicht mehr schroffes Vulkanland sein, so halt mich nur ein bisschen fest. das fällt mir schwer. jemanden um etwas zu bitten ist schwer, ist ein Eingeständnis an die Überlebensunfähigkeit, man möchte so sehr ein Felsen sein, aber ein Felsen ist nicht schwach, ist hart und unnachgiebig, ist Halt und Stütze. und wenn du mich schon nicht halten kannst, so kann ich zumindest dich halten, wenn du dich einsam fühlst, dir das Gefühl geben, dass du einfach mal loslassen kannst, ohne verloren zu gehen, denn ich bin dein Anker. und Anker und Felsen zu sein, das ist meine Art, zu funktionieren, so kann ich leben und mich nicht selbst hassen dabei, eine Aufgabe, Legitimation eines Daseins, was braucht man mehr.

Anerkennung, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Nähe. was einen Menschen bewegt. was ist das überhaupt, dieses Mensch. man macht es sich mit dieser Bezeichnung doch so herrlich einfach, nicht wahr? Körper, von Elektrizität gelenkt, Impulse, Botenstoffe, Chemie. immer schon versuchten wir, herauszufinden, was das denn eigentlich soll, mit den Empfindungen, nennen es Soziologie, Koexistenz, Beziehungsstruktur.

ich beziehe mich auf dich. es zieht mich an dich, zu dir. Zugkraft, physikalische Richtwerte, Grundgesetze der Dinge, aber willst du das Ganze mal drehen und zerren, es aus dem gewohnten, verbohrten Kontext von Aktion-Reaktion heben: halt, falsch, dunkel, schwarz, nein. dabei ist doch alles durchsichtig, nicht wahr?luftleicht. wie sehen meine Gefühle für dich aus? nicht. wo das Ziehen ist, da gibt es keine Augen. und schließt du die Augen des Körpers, so bist du das Auge des Allseits, der jeden Empfindung, der Beschaffenheit meiner Haare unter deinen losen Anemonenarmen, des Wissens um die Feuchtigkeit, fasstest du mir tief in den Augenwinkel hinein. Körper wird zu einer Idee, die viel dichter, viel fester und wahrhaftiger ist, als alles, was du jemals glaubtest, greifen zu können. Wahrnehmung, Wahrheit, whatever.

und da stehen wir nun, einander gegenüber und du siehst in einen Spiegel und ich habe meine Augen geschlossen und singe vor mich hin i am all alone and i need you now. nichts geschieht, denn ich bin viel zu ängstlich, wage es nicht, einen Schritt zu tun, zu stolpern, zu straucheln und auf dich zu fallen, mich selbst vergessend. ich spüre dich, ich kann deinen Atem riechen, aber du könntest genauso gut das Produkt meiner Sehnsucht sein, meine personal Sinnesmorgana, gar nicht echt und gar nicht greifbar mit Händen, die Körper sind und keine Anemonen aus Licht. und du sagst vielleicht etwas wie: hey, girl, das war doch gar nicht so geplant, was machst du denn, das hast du alles falsch verstanden, ich kann dir nicht sein, was du forderst, ich bin nicht bei dir. und ich öffne die Augen und sehe dich an, da stehst du und bist echt, und dann sehe ich zu Boden weil der Felsen bricht, und alles fließt mir davon, dieses Dasein, es gibt einen Wasserfall und einen Strudel, der nimmt mich mit, zurück zum Arhythräus. davor habe ich Angst, verstehst du, ich habe einfach nur Angst, mich irgendwann ganz ins Innere zurückzuziehen und vielleicht gar keinen Weg mehr hinaus zu finden und die Pforte, den Körper, das Fleisch und das Verlangen nach Berührung, zu vergessen.

 

Worte.