untitled 75

von blutundkaffee

ich träume verschachtelte Räume. da sind Ebenen, Öffnungen, man weiß nicht, wohin die Treppen führen, wieviele Zimmer es gibt, wie lange die Wände noch den Stürmen standhalten.

es gab ein Loch im Boden, groß, wie ein Innenhof sah es aus, im Raum. die Ziegel bröckelten. ein Mädchen hatte Angst vor einem Einsturz. nichts würde einstürzen, das spürte ich, die Mauern sind stabil. wie das Loch in den Boden gekommen war, weiß ich nicht, es war schon alt, es war vielleicht schon immer da.

ich habe ihn in der Wüste gefunden. geortet habe ich ihn, gesehen, von oben, von oben aus dem Himmel oder auf einem Bildschirm. als Punkt in der Landschaft sah ich ihn, wie er in die falsche Richtung lief. ich sagte: dreh dich jetzt nach links, dann ist es ein Marsch von einem Tag und du kommst nach Taschkent, von dort aus gibt es Flugzeuge, du kannst dann zurück kommen. und dann habe ich gewartet und er kam zurück, schließlich kam er zurück zu mir und wir schlossen uns in die Arme, mit unseren Blicken. ich habe dein Buch in den Dünen gefunden, sagte ich, mit der Nachricht, dass du in die Wüste aufbrichst, da bekam ich Angst und suchte nach dir. das war wichtig, sagte er, du hast mich gerettet, ich wäre beinahe verloren gegangen.

Räume, Räume, immerzu die Suche nach einem Raum, wo niemand ist, nach einem Bett und nach Innigkeit. so viele Menschen in dem Haus, sie trinken Bier, sie kommen und gehen, gehen auf den Treppen, die irgendwo hin führen und plötzlich stehen sie wieder vor uns und wir grüßen und flüchten uns weiter davon. du sprichst mir an die Schläfe, sagst: wollen wir es tun? ich sage: ja, gut, lass es uns tun, wohin jetzt. wir gehen nah am Abgrund, an der Kante des großen Loches im Boden, der den Raum öffnet, das darunterliegende Geschoß mit dem darüberliegenden verbindet, wie ein Innenhof. hier und da bröckelt es, von draußen hört man die Sandstürme. das Haus steht am Rande einer Stadt, mitten in der Wüste, die Menschen haben darin Schutz gefunden. wir huschen um eine Ecke, fort von vertrauten Blicken, da ist ein Raum und ein Bett darin und ich schließe die Tür und du ziehst an meiner Hand, umfasst meine Tailie, ich versuche noch, den Schlüssel im Schloss zu drehen, die Tür abzusperren, der Griff misslingt, denn du hast mich von der Tür weg gezogen, wie eine Welle, wenn sie am Sand zieht, um ihn in die Tiefe zu spülen. schon bist du über mir und ich fühle, wie leicht du bist, wie zierlich. deine Haut ist blass, dein Haar ist hell, dein Körper hat beinahe kein Gewicht auf mir, deine Augen drängen nicht, und ich denke: du bist wie ich, wie seltsam das ist, wie ich bist du, nur in hellblau.

er nimmt den Lederbeutel an sich, das Buch darin, die Nachricht, Wüstensand rieselt. ich bleibe nun hier, sagt er, in der Stadt, ich habe Lust, zu bleiben. vielleicht heirate ich das Mädchen, falle einfach so vor ihr hin, auf die Knie, und bitte sie, warum auch nicht, es ist so leicht. und er besteigt ein Auto, winkt mir und fährt davon, um das Mädchen zu treffen. ich denke: nun, gut, er ist gerettet und wohlauf und die Tage gehen weiter ins Land, ziehen über Städte und Dünen, Städte oder Dünen, es gibt keinen Unterschied.